Ist der Tierhalter „schuld“ an den Beschwerden seines tierischen Gefährten?
Erst kürzlich berichtete mir eine Tierhalterin sie sei auf einem Seminar gewesen, wo erklärt wurde, dass der Mensch grundsätzlich Verursacher der Krankheiten seiner Tiere sei. Einige Teilnehmer seien darauf hin in Tränen ausgebrochen – wer möchte schon mit so einer Schuld leben wollen?
Das ist ein schönes Beispiel, das mir bei meiner Arbeit oft begegnet. Bereits 2014 widme ich in meinem Buch „Phänomene zwischen Mensch und Tier„ ein Kapitel dem Thema.
Wer trägt die Verantwortung?
Wer meinen Texten schon länger folgt, dem ist sicherlich schon der Begriff „Sowohl als auch“ begegnet. Immer häufiger werde ich eingeladen, die Welt aus dieser Perspektive zu betrachten. Besonders dann, wenn nur eine Seite des Geschehens beleuchtet wird und der andere Pol, das gegenüberliegende Ende, völlig ignoriert wird. Ich betrachte ein Haustier – auch ein Pferd, das fern von seinem Menschen lebt – als vollwertiges Mitglied des Familienverbandes.
Diese Sichtweise hat tiefgreifende Auswirkungen auf meine homöopathische Begleitung. So wie in einer rein menschlichen Familie, bemühe ich mich, das gesamte Bild zu erfassen, um möglichst ursächlich und umfassend helfen zu können. Ich zoome quasi heraus aus dem Sichtbaren, gehe einen Schritt zurück und betrachte das grössere Gesamtkunstwerk. Oft spielen auch vererbte Themen eine entscheidende Rolle, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte System ziehen.
Kinder in der Familie
Kinder gehören selbstverständlichauch zum System Familie. Keiner würde auf die Idee kommen, den Eltern die Verantwortung zuzuschreiben, wenn ihr Kind dauerhaft krank wird. Höchstens ein „naja, das liegt in der Familie“ – ganz ohne persönliche Schuldzuweisung. Auch wenn sich Themen über Generationen hinziehen, versucht jede Generation sich dem Thema ein Stück weiter anzunähern, sich in Richtung Heilung für das Gesamtgefüge zu bewegen. Für alle, für die Eltern für die Grosseltern, für die ganze Familie.
Manche Betrachter gehen so weit, den einzelnen Generationen eine vorgeburtliche Zustimmung zuzugestehen, genau in diese Familie hineingeboren zu werden, um an den speziellen Themenbereichen zu arbeiten. Für die eigene Entwicklung und das gesamte System. Rechnen wir das auf eine längere Strecke, über einen Zeitraum hinweg, sprechen wir von Evolution. Jeder trägt seinen Teil dazu bei. In den systemischen Aufstellungen wird das oft auch sichtbar.
Entscheidet sich auch das Tier selbst?
Das wissen wir nicht wirklich, meiner eigenen Erfahrung nach und auch in Bestätigung von serösen Tierkommunikatoren, ist das nicht nur möglich, sondern meist der Fall. Ein Tier möchte mithelfen. Es ist, wie ein Menschenkind auch Mitglied der Gruppe und ja – es entwickelt sich innerhalb der vorhandenen Energien mit, es spürt mit, es lernt mit.
Auch ein Vierbeiner entwickelt sich weiter. Und wenn dazu eben genau jene Konstellation innerhalb dieser Familie sinnvoll ist, darf das so sein. Ich erlebe nicht selten, dass es dem Vierbeiner sehr wichtig ist, einen besonderen „Job“- eine Aufgabe zu erfüllen. Auch das beinhaltet wichtige Lernaufgabe für ihn.
Dass der Vierbeiner von der Liebe, die ihm entgegengebracht wird profitiert und manchmal sogar einen Krankheitsgewinn entwickelt – wie wir das von und Zweibeinern kennen, habe ich schon früher beschrieben.
Fazit
Wer könnte es seinem tierischen Gefährten absprechen, mitzubestimmen, welche Rolle jeder im Familiengefüge einnimmt? In der systemischen Aufstellungsarbeit erkennen wir, dass es meist die Stärkeren sind, die die Ausdrucksweise der Gruppe aufgreifen. Diese Dynamik stabilisiert nicht nur die gesamte Gemeinschaft, sondern vermittelt auch ein Gefühl von Sicherheit und schafft Raum für persönliche Weiterentwicklung.
Wo bleibt hier der Platz für Schuldzuweisungen? Ja, oft zeigen sich die Bemühungen Ausgleich zu schaffen, ein Problem zu lösen, zu helfen, in körperlichen Erkrankungen dess tierischen Freundes, doch es ist auch Teil eines größeren Bildes – eine „sowohl als auch“-Situation. Es ist entscheidend, die Dynamiken innerhalb der Familie zu verstehen, dann wird es einfacher seine Rolle zu akzeptieren.
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