Peggy Schmah 08237 3630657 

     

    Ich höre es häufig und sehe dabei in ein unangenehm berührtes Gesicht:. „Ach ja, Familienaufstellungen, das habe ich schon gehört...diese komische Geschichte, es dauert stundenlang und hinterher geht es den Leuten richtig schlecht ...“.

    Schade. So ein wertvolles Werkzeug mit so einem Nachgeschmack. Das mag einer der Gründe sein, warum ich das Wort „Familienaufstellung“ nicht benutze. Zum einen sind es nicht immer familiäre Themen, die Aufmerksamkeit benötigen, zum anderen kann auch eine Kurzaufstellung wichtige Erkenntnisse und Antworten auf anstehende Fragen bringen.

     

    „Wo geht es für mich weiter, was ist die richtige Entscheidung und was will mit dieses Krankheitssymptom zeigen?“ Das sind nur einige Möglichkeiten, die wir betrachten können und die wichtige Erkenntnisse und Antworten auf Anstehendes liefern.

    Im Fachjargon werden dafür verschiedene „Aufstellungs-Formate“ verwendet, die ein unterschiedliches Vorgehen beschreiben. Dies soll ein gewisses Maß an Sicherheit suggerieren und eine Richtschnur vorgeben. Struktur, mit all ihren Vor- aber auch Nachteilen.

     

    Ich verwende auch diese Bezeichnungen nicht. Sie würden das heilsame Bild, die bereits im „wissenden Feld“ vorhanden ist, einschränken. Ich möchte den Weg für eine gute Lösung bewusst offen gestalten. Diese Offenheit braucht vom Aufstellungs-Leiter ein grosses Vertrauen und eine gewisse Demut. Nur so darf sich ein gutes Lösungsbild entwickeln. Ich muss mir selbst eingestehen, dass ich - gerade zu Anfang der Aufstellung- keinen blassen Schimmer davon habe wie eine Lösung für den Klienten aussehen mag.

     

    Das tut uns als Aufstellungsleitende gut. Es schult unser Vertrauen und weist uns immer wieder darauf hin, dass keineswegs „wir“ eine Lösung für das Problem des Klienten haben. Das alleine wäre reichlich anmassend. So auch in der Heilkunde. In der Schulmedizin genauso, wie in naturheilkundlichen Praxen. Wir Therapeuten „heilen“ niemanden, mit keinerlei ­Medikamenten; weder mit unterdrückenden Maßnahmen, noch mit pflanzlichen Arzneien. Wir sind nicht allwissend, wir haben lediglich mehr Erfahrung. Und das auch nicht unbedingt. Idealerweise begleiten wir den Klienten. Wir vermitteln ihm Helfer und Wegweiser, in Form von Arzneien und deren Heilkraft, die ihn an seinen ureigenen Weg erinnern, die ihm zeigen, so es für ihn langgehen kann.

     

    Wir sind also lediglich Begleiter. Auch als Aufstellungsleiter. Wie soll es da sinnvoll sein Worte, oder ganze Sätze in den Mund zu legen und eine bestimmte Richtung vorzugeben? Ich glaube, das ist einer der Hauptgründe, warum der Begriff „Familienstellen“- wie ihn u.a. Bert Hellinger und auch andere Vorreiter populär gemacht haben – so konträr diskutiert werden. Hellinger beispielsweise (und auch C. G. Jung übrigens) waren stark geprägt durch die patriarchale Zeitspanne, in dem das lineare Denken (aus A wird B) Gang und Gäbe waren. Eine hierarchisch höher angesiedelte Person „wusste“ was gut für den Patienten sei. Heute aber, zu Beginn einer gleichberechtigten Epoche, in der weibliche und männliche Anteile nebeneinander bestehen dürfen und müssen, ist das systemische Aufstellen eine geeignete Methode um ein „sowohl als auch „ zu üben. Das was ist, zeigt sich als mehrdimensionales Bild und kann mit intuitivem Wissen erlebt und korrigiert werden.

     

    Ich glaube, das ist ein wichtiger Grund, warum wir Homöopathen Zugang zur Aufstellungsarbeit haben. Zwar ist diese Heilmethode ebenso in Zeiten des vergangenen Patriarchats entstanden (vor ca. 250 Jahren) war aber seiner Zeit wohl voraus und gerade deshalb stark umstritten. Die Praxis der weissen Kügelchen erlaubt Erkenntnisschritte in Richtig Heilung. Erlaubt ein „sowohl als auch“ Geschehen – sowohl im Krankheitsbild, als auch im Heilungsgeschehen. Diesem „Sowohl als auch“ begegnen wir mit einem „ähnlichen“ Arzneimittel, dass einem Blick in den Spiegel gleicht, ein Muster bis zur Kenntlichkeit weiterstrickt und eine gesunde Richtung aufzeigt.

     

    Etwas sehr hilfreiches hat einer meiner Lehrer einmal sinngemäß so ausgedrückt: „Wir als Leiter einer systemischen Aufstellung helfen dem Klienten dabei, einen Schritt beiseite zu treten, um seinem Wunder; seinem ganz eigenen Weg - Platz zu machen.“

     

    Mögen meine Ausführungen dazu dienen, aus dem Unwohlsein, Neugier und Staunen erwachsen zu lassen, um diesem wertvollen Werkzeug vielen Kollegen einen gebührenden Platz in ihrer Werkzeugkiste sein zu lassen.